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Seamless Solutions - der nächste Schritt in Sachen Standards

| Miriam Mirza | Aus dem Unternehmen

Seamless Solutions Interview

Marabu präsentiert auf der conhIT die Initiative „Seamless Solutions“. Was sich dahinter verbirgt und welche Vorteile Hersteller und Anwender davon haben, berichtet Partner- und Projektmanager Bernhard Nelsen.

Vor welchem Hintergrund haben Sie die Idee von Seamless Solutions entwickelt?

Ich habe ja unter anderem einen Erfahrungshintergrund im Bereich Projektmanagement. In diesem Zusammenhang sind meine Kollegen und ich immer wieder auf altbekannte Probleme gestoßen – zum Beispiel entwickelt sich der Markt so, dass es immer schwieriger wird, Lösungen ausschließlich in monolithischen Systemen von nur einem Anbieter aufzubauen. Stattdessen werden wir es vermutlich künftig mit einem ganzen Zoo von kleinteiligen, spezialisierten Applikationen zu tun haben, die entweder im Kontext zur klinischen Dokumentation, zur Abrechnungsdokumentation oder einfach nur zu administrativen Prozessen stehen. Wenn man mit einem Kernsystem wie dem PEGASOS ECM-System arbeitet, das mit unterschiedlichen Partnern, Prozessen und Berufsumfeldern agiert, muss man sich fragen, wie man es managen kann, die Betriebsfähigkeit vieler spezialisierter Lösungen über einen langen Zeitraum zu erhalten.

Die Antwort darauf ist in der Regel „Standardisierung“. Dazu gibt es doch HL7 und IHE.

Richtig, HL7 ist die Normierung eines syntaktischen Standards, um Informationen so zu übermitteln, dass keine Verwechslungen oder Fehler passieren. Bei IHE geht es nicht mehr nur um die reine Syntaktik, sondern um den Abgleich von Prozessen.

Das klingt doch erst einmal gut. Wo sehen Sie Nachbesserungsbedarf?

Das Problem beginnt, wenn man anfängt, einen durchgehenden Prozess mit verschiedenen Akteuren als eine ganzheitliche Lösung zu implementieren. Das ist auf der technischen Ebene sehr gut beschreib- und auditierbar. Betreibe ich aber eine Lösung mit mehreren Partnern und ein Teilsystem fällt aus, kann es sein, dass die gesamte Prozesskette zum Stehen kommt. Das können Fehler sein, die mit den technischen Standards wie IHE und HL7 oder DICOM gar nichts zu tun haben, sondern ihre Ursachen in ganz anderen Bereichen haben. Um das zu verhindern, sollte man sich nicht nur überlegen, wie man ein Projekt technisch implementiert, sondern auch, wie man es gemeinsam betreiben will. Genau dafür, also für die Abstimmung der Lösungsanbieter im Bereich der Services, gibt es bislang keine wirklichen Standards.

Gibt es keine Dokumentationen, die dabei hilfreich wären?

Nun ja, die meisten Kunden gehen davon aus, dass es für solche Fälle Dokumentationen gibt und die einzelnen Player auch über diese Dokumentationen verfügen. In der Realität ist das jedoch nicht der Fall. Es wird fast ausschließlich projektbezogen gearbeitet, wo von jedem beteiligten Anbieter zu seiner Einzellösung eine Dokumentation erstellt wird. Die Summe dieser Einzeldokumentationen wird in die Hände des jeweiligen Kunden gelegt. Dieser muss nun abstrahieren, wie die Einzelgewerke als Gesamtlösung zusammenarbeiten und was notwendig ist, um einen unterbrechungsfreien Betrieb zu ermöglichen.

Es gibt also keine einheitliche, quasi durchgehende Dokumentation einer Gesamtlösung mehrerer Anbieter. Welche Folgen hat das?

Das hat zur Folge, dass es bei jedem Projekt – auch wenn die in der IT abgebildeten Prozesse bereits bei anderen Kunden eingesetzt werden – trotzdem immer wieder zu einer neuen technischen Findungsphase kommt, in der stets aufs Neue geklärt werden muss, wie man zusammenarbeiten will. Und das, obwohl die Projektpartner einander kennen und die eingesetzten Lösungen bekannt sind. Das ist auch ein Grund, warum die Implementierungen der Lösungen von Kunde zu Kunde so unterschiedlich sein können. Referenzen aus älteren Projekten sind damit auch oft nur bedingt aussagekräftig.

In diesem Zusammenhang dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass die IT immer mehr an die eigentlichen Prozesse heranrückt. Das bedeutet, dass sie nicht mehr rein statisch arbeitet, sondern unmittelbar in die jeweiligen Arbeitsprozesse eingebunden ist. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein Arzt im Gespräch mit dem Patienten, also während seines Arbeitsprozesses, aufbereitete Informationen aus unterschiedlichen Systemen abruft. Fällt ein Faktor in dieser IT-Prozesskette aus, ist ein schneller Support notwendig. Das wird aber dann schwierig, wenn bei nicht unmittelbar erkennbaren Fehlern erst recherchiert werden muss, bei welchem Einzelsystem man suchen sollte und wo die Verantwortlichkeiten liegen.

Wie kommt an dieser Stelle Seamless Solutions ins Spiel?

Seamless Solutions setzt genau hier an. Das Konzept bietet ein Frameset an, also eine standardisierte Aufreihung von Dingen und Abläufen, die beschreiben, was zu tun ist und wie man mit den anderen Partnern zusammenarbeitet. Und zwar in einem gemeinsamen Dokument, das von beiden Partnern in gleicher Weise erarbeitet wird. Dabei bleibt die Agenda immer gleich. Nur die Inhalte ändern sich. Seamless Solutions soll damit auch die Grundlage für einen qualitätsgesicherten Best-of-Breed-Ansatz bieten.

Es geht dabei also nicht um die Neuentwicklung eines Produkts?

Nein, Seamless Solutions ist nicht entwicklungsgetrieben, sondern projektgetrieben. Dabei stützt man sich auf das, was schon da ist. Es geht darum, alle Arbeitsschritte vor der Implementierung beim Kunden so sauber zu dokumentieren, dass alle Beteiligten vor Projektbeginn und im Servicefall während des Betriebes leicht nachlesen können, was zu tun ist.

Über den Autor

Miriam Mirza

Die Journalistin Miriam Mirza hat Germanistik und Anglistik studiert und arbeitet als Fachredakteurin für das Magazin E-HEALTH-COM.

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