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Deutschland bei Digitalisierung im Rückstand

| Miriam Mirza | Aus der Branche

Tastatur mit Stetoskop

In Sachen Digitalisierung kommt Deutschland nicht richtig voran. Das zeigt eine weitere Studie, der „Digital Economy and Society Index“. Die Untersuchung wird jedes Jahr von der EU-Kommission durchgeführt und bewertet den Grad der Digitalisierung beim E-Government und bei E-Health. Nach den neuesten Zahlen liegt Deutschland in Punkto Digitalisierung öffentlicher Dienste abgeschlagen auf Platz 21. Auf den ersten Plätzen finden sich die Länder Finnland, Estland und Dänemark.

Doch was machen die Spitzenreiter besser? Wo liegen die Schwachstellen in Deutschland? Die Studie legt folgende Baustellen nahe, an denen hierzulande noch gearbeitet werden muss:

Elektronische Krankenakten

In Finnland sind flächendeckend elektronische Krankenakten eingeführt worden. Jeder Finne hat eine. Informationen werden digital zwischen Hausärzten und öffentlichen oder privaten Krankenhäusern ausgetauscht - und das zu 90 Prozent.

Elektronische Gesundheitsakten

Beim Spitzenreiter Estland besitzt jeder Bürger eine elektronische Gesundheitsakte, in die sämtliche medizinischen Daten von der Geburt bis zum Tod eingepflegt werden. Dazu gehören beispielsweise Befunde, Röntgenbilder oder Medikationsdaten. Zugriff auf die Informationen haben sowohl die behandelnden Ärzte als auch die Patienten. Letztere können darüber hinaus eigene Gesundheitsdaten, wie sie zum Beispiel von Gesundheits-Apps gesammelt werden, in die elektronischen Akten einstellen.

e-Rezept

In Estland wie auch in Finnland ist das e-Rezept bereits Standard. In beiden Ländern wird dies über den Personalausweis verbucht. Will ein Patient in Estland ein Rezept einlösen, muss er sich in der Apotheke lediglich mit dem Ausweis einloggen und bekommt dann seine Medikamente. Weil alle Medikationsdaten des Patienten unter der jeweiligen ID gespeichert sind und damit auch digital zur Verfügung stehen, können diese sofort abgerufen und abgeglichen werden. Auf diese Weise wird die Gefahr von Wechselwirkungen minimiert.

Nationale Statistik

Estland übernimmt auch was die Nutzung von Big Data angeht eine Vorreiterrolle. So werden alle Gesundheitsinformationen der estnischen Bürger anonymisiert und ausgewertet und zur Erstellung einer nationalen Statistik genutzt. Ziel ist, Trends im Gesundheitsbereich möglichst früh zu erfassen. Außerdem können Epidemien so besser verfolgt und die effizientere Nutzung von Ressourcen unterstützt werden.

Nationale eHealth-Strategie

Auffällig ist, dass jedes der Länder, die im Index ganz vorne liegen, eine nationale eHealth-Strategie besitzt. Das liegt auch daran, dass dort eHealth vonseiten der Politik massiv unterstützt wurde. Die jeweiligen Regierungen haben frühzeitig verstanden, dass die verschiedenen Akteure im eHealth-Markt zusammengeführt und bei deren Zusammenarbeit gefördert werden sollten. In Deutschland ist man noch nicht so weit. Immerhin hat sich jetzt eine Arbeitsgruppe Gesundheit gebildet, die parallel zur legislativen Arbeit einen strukturierten E-Health-Strategieprozess anstoßen will.

 

Sicher kann man die Digitalisierungsstrategien Estlands und Finnlands nicht ohne weiteres auf Deutschland übertragen, es ist jedoch klar ersichtlich, dass hierzulande mehr getan werden muss, um nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten. Und dabei können die europäischen Nachbarn sicher als gutes Vorbild dienen.

Über den Autor

Miriam Mirza

Die Journalistin Miriam Mirza hat Germanistik und Anglistik studiert und arbeitet als Fachredakteurin für das Magazin E-HEALTH-COM.

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