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bvitg fordert eHealth-Zielbild

| Miriam Mirza | Aus der Branche

bvitg-Geschäftsführer Sebastian Zilch
bvitg-Geschäftsführer Sebastian Zilch

Mehrere Verbände, darunter der bvitg, forderten kürzlich ein eHealth-Zielbild von der Bundesregierung. Im Interview erklärt bvitg-Geschäftsführer Sebastian Zilch, was der Verband darunter versteht und welche Schritte als erstes eingeleitet werden müssen, um das Zielbild zu erreichen.

Sie verlangen in einem Positionspapier eine „Dialogplattform eHealth-Zielbild für Deutschland“ von der Regierung. Wie kam es dazu?

Das Positionspapier ist das Ergebnis von Dialogprozessen mit anderen Verbänden aus der Gesundheitswirtschaft. Branchenverbände der Medizintechnik, Pharmazeutik, Diagnostika und Biotechnologie haben sich an einen Tisch gesetzt. Dabei haben wir festgestellt, dass es Zeit ist, sich konstruktiv mit der Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung zu beschäftigen.

Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen? Wie wollen Sie vorgehen?

Wir haben festgestellt, dass wir ein eHealth-Zielbild für Deutschland brauchen. Bevor dies jedoch formuliert werden kann, ist ein moderierter Dialogprozess notwendig, der sektor- und ressortübergreifend aufgezogen wird. Dabei sollen die beteiligten Stakeholder in der Gesundheitsversorgung zusammenkommen und überlegen, wo wir mit der Digitalisierung hinwollen. Denn zunächst geht es darum, ein gemeinsames Verständnis für das Zielbild zu entwickeln. Anschließend sollen daraus konkrete Maßnahmen abgeleitet werden, auf die man sich später auch berufen kann. Auf diese Weise kann man die Digitalisierung konstruktiv begleiten und nach vorne bringen.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte würden Sie setzen wollen?

Zunächst ist es uns sehr wichtig, einen Dialogprozess in Gang zu bekommen. Das allein ist schon eine Herausforderung. Vernetzung ist dabei essenziell. Dazu gehören auch technische und semantische Interoperabilitätsfragen. Am Beispiel der Aktenvernetzung stehen wir in Deutschland noch vor großen Herausforderungen. Das zweite wichtige Thema umfasst die Datenverfügbarkeit und Datennutzung – hier vor allem in Bezug auf Versorgungs- und Forschungsdaten. Das ist ja auch der Steigbügel für Big Data-Anwendungen. Aber auch bei den elektronischen Akten stellt sich die Frage, wie man sicherstellen kann, dass strukturierte Daten genutzt werden können. Das dritte große Themenfeld ist der Patientennutzen in digitalen Anwendungen und in der Versorgung. Wir stehen vor einem großen Wandel in der Gesundheitsversorgung. Alte Strukturen werden durch digitale Anwendungen durchdrungen. In anderen Lebensbereichen ist das bereits etabliert, im Gesundheitswesen ist das bisher noch stark unterentwickelt.

Warum braucht Deutschland ein eHealth-Zielbild?

Wir sind der Meinung, dass es erst einmal eine gemeinsame Vision geben muss. Wenn wir das geklärt haben, müssen wir daraus eine eHealth-Strategie ableiten. Wir müssen also überlegen, welche Schritte nötig sind, um unserer Vision einen Schritt näher zu kommen. Daraus sollten dann Maßnahmenpakete identifiziert werden, die auch nachverfolgt und kontrolliert werden müssen.

Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Herausforderungen der Digitalisierung des Gesundheitssystems?

Im Gesundheitssystem und auch in der Entscheidungsstruktur stellt sich die Herausforderung, dass eine Gesetzgebung und die Institutionalisierung mit etwas umgehen muss, das ganz anders tickt. Im Moment haben wir in Deutschland ein System, das sehr stark in Sektoren gegliedert ist. Die Zusammenarbeit über deren Grenzen hinweg wird nicht gefördert, z.B. weil es keine umfassende Logik in der Finanzierung dafür gibt. In unserem Gesundheitssystem dominieren administrative Prozesse, die gewachsen sind. Die Digitalisierung hingegen kann die Patient Journey durch die gesamten Versorgungsprozesse hindurch begleiten. Dabei wird man bestimmte Strukturen und Prozesse anpassen oder sogar aufgeben und mehr an Patienten ausrichten müssen. Das ist aber ein Paradigmenwechsel, der eine der größten Herausforderungen im Gesundheitswesen darstellt.

Was wünschen Sie sich von der Politik im Hinblick auf eHealth?

Wir möchten, dass die Politik hier eine gestaltende Rolle einnimmt und diesen Dialogprozess auch eng begleitet – natürlich unter Einbezug der Industrie und auch der Selbstverwaltung. Außerdem erwarten wir eine gewisse Verbindlichkeit. Wenn also Maßnahmenpakete eingeleitet werden, sollte deren Umsetzung auch nachgehalten werden.

Wo sind die Hersteller gefragt, aktiv zu werden?

Wir sind die Anstoßgeber und wollen auch unseren Beitrag leisten. Die bvitg-Mitgliedsunternehmen haben innovative Lösungen und zwar die jungen wie die etablierten Unternehmen. Unsere Experten wissen, was möglich ist. Zusätzlich hilft unser Blick über den deutschen „Tellerrand“.

Welche Schritte müssen nun als Erstes erfolgen, um das Zielbild zu erreichen?

Der Dialogprozess ist aus unserer Sicht der wichtige erste Schritt.

Über den Autor

Miriam Mirza

Die Journalistin Miriam Mirza hat Germanistik und Anglistik studiert und arbeitet als Fachredakteurin für das Magazin E-HEALTH-COM.

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