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25 Jahre Dienen und Leisten

| Miriam Mirza | Aus dem Unternehmen

Ralf Günther

Die Marabu EDV GmbH feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Ein guter Zeitpunkt, um zurückzublicken und eine Art Zwischenbilanz zu ziehen. Im Interview berichtet Ralf Günther von den Anfängen, aktuellen Herausforderungen und wagt einen Blick in die Zukunft des Unternehmens.

1. Herr Günther, vor 25 Jahren wurde die Marabu EDV-Beratung und -Service GmbH von Ihnen selbst gegründet. Welchen Weg haben Sie mit Marabu seitdem zurückgelegt? Wie hat alles angefangen und wo steht die Firma heute?

Vor 25 Jahren waren wir technologisch noch auf einem ganz anderen Stand. Damals habe ich einen Auftrag vom Gesundheitsministerium Land Brandenburg erhalten, die ersten Krankenhäuser im Hinblick auf ihre Arbeitsweise zu untersuchen. Ich erinnere mich, dass der damalige Staatssekretär des Ministeriums sagte: „Herr Günther, das was Sie machen, passt da gut rein.“ Es stellte sich heraus, dass in den großen Häusern Karteikartenschränke standen, die nur angelegt wurden, weil Akten ab und zu nicht mehr auffindbar waren. Daraufhin kamen wir auf die Idee, dort eine elektronische Patientenakte aufzubauen, mit dem Ziel, darin Daten revisionssicher und rechtssicher zu speichern. 1992 haben wir dann den Auftrag erhalten, das erste große Digitalarchiv mit 1,3 Terrabyte Speicherkapazität aufzubauen. Das beinhaltete für ein 400-Betten-Haus die Patientenakten von mehr als 30 Jahren. Heute kann man sich einen Terrabyte Speicher in die Jackentasche stecken, aber damals brauchte man sehr viel Platz für so einen Speicher. Die Software, die wir daraufhin entwickelt haben, unterstützten Jukeboxen, die WORM-Scheiben bewegten, in die ein Laserstrahl die Daten eingebrannt hat. Damals haben wir einen digitalen Mikrofilm erzeugt. Heute ist daraus ein sehr komplexes System geworden, das in der Benutzung all das leistet, was benötigt wird, um schnell, revisionssicher und rechtssicher an Informationen zu kommen. Inzwischen bieten wir ein dokumentenbasiertes Prozessmanagementsystem an. Das hat man damals noch gar nicht so absehen können.

2. Eine Firma wie Marabu 25 Jahre erfolgreich am Markt zu etablieren, ist nicht einfach. Was hat Sie am meisten angetrieben? Haben Sie ein Erfolgsrezept?

Wir haben das Ohr am Kunden und verstehen uns als Dienstleister im besten Sinne des Wortes. Ich sage immer, das Wort besteht aus „dienen“ und „leisten“. Dazu gehört auch, genau zuzuhören, das Gehörte abzuwägen und dann diese Informationen in die richtigen Formen und Lösungen zu bringen. Tolle Arbeit können Sie aber nur erbringen, wenn Sie zufriedene Mitarbeiter haben. Darum ist uns eine gute Arbeitsatmosphäre wichtig. Und das wiederum spiegelt sich in einem zufriedenen Kunden wieder.

3. Seit den Anfängen von Marabu hat sich der Health-IT-Markt drastisch verändert. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist in vollem Gange. Wie hat Marabu diese Veränderungen begleitet? Welchen Beitrag können Ihre Lösungen leisten?

Wir können mit Stolz behaupten, dass wir in den letzten 25 Jahren einen 100-prozentigen Projekterfolg vorweisen können. Das ist selten. Aber gerade, weil unsere Mitarbeiter so dicht am Kunden sind, finden wir schnell Lösungen und können kleine wie große Probleme aus der Welt schaffen. Das ist auch ein wichtiges Merkmal unserer Firma am Markt. Wir sind für unsere Kunden da und kein Kunde möchte auf die Qualität und die Mitarbeit unserer gesamten Mannschaft verzichten. Außerdem überzeugen wir mit guten Produkten, wie unserem PEGASOS System. Damit erhalten die Kunden einen Werkzeugkasten, mit dem man Prozesse effektiv umsetzen kann und der schnell einen positiven Outcome zur Folge hat.

4. Welchen Herausforderungen steht Marabu aktuell gegenüber?

Das Krankenhaus ist heute eine Informationsfabrik der Gegenwart, die Unmengen an Daten produziert. Diese werden in KIS-, Radiologie-, oder Laborsystemen erzeugt. Später jedoch werden diese Daten zum großen Teil wieder zu Papier, nur um anschließend wieder eingescannt zu werden. Natürlich ist es unsinnig, so etwas zu tun, weil man das auch digital übernehmen könnte. Das Problem liegt oft im Datenschutz. Ich sehe das Thema als sehr wichtige und aktuelle Herausforderung. Wenn man mal betrachtet, was der Datenschutz mit uns Bürgern macht, die ja ein informationelles Selbstbestimmungsrecht haben, dann ist man schon ziemlich dicht daran, sagen zu können: „Tod durch Datenschutz“. Ich persönlich habe schon erlebt, dass wesentliche Dokumente eines Patienten aufgrund der Datenschutzbestimmungen nicht verfügbar waren. So etwas darf nicht sein. Wenn ich ein Anrecht auf meine Daten habe, möchte ich auch, dass diese - gerade im Notfall - bei meinem behandelnden Arzt zur Verfügung stehen. Ich hoffe, dass sich das in den nächsten Jahren im Sinne der Patienten ändert.

Der Schutz der Daten ist natürlich wichtig, aber man muss sich auch fragen, wo wir heute unsere Informationen haben – nämlich im Smartphone. Wir nutzen Schrittzähler und Wearables, mit denen man seine Pulsfrequenz oder den Schlaf aufzeichnen kann. Das sind eine Menge Informationen, die der Bürger heute schon freiwillig abgibt. Sobald aber jemand vorschlägt, das Ganze in eine Patientenakte zu packen, gibt es Widerstand. Aber der Datenschutz darf nicht zum Stillstand führen. Hier ist auch die Politik gefragt, um die Hersteller in ihrer Arbeit zu unterstützen.

5. Können die Hersteller auch etwas tun, damit es nicht zum Stillstand kommt? Was tut Marabu, um die Entwicklungen im Health-IT-Bereich voranzutreiben?

Wir haben uns beispielsweise dafür entschieden, unsere Technologie offen zu gestalten und uns nicht abzukapseln oder teure Schnittstellengebühren zu erheben. Im Bereich IHE sind wir eines der führenden Health-IT-Unternehmen. Wir setzen uns dafür ein, dass Informationen interoperabel ausgetauscht werden können. Und das gilt nicht nur für eine Patientenakte. Es gilt auch für den Informationsaustausch über Sektorengrenzen hinweg oder für die eFA, die elektronische Fallakte. Hier sind wir zurzeit das einzige Unternehmen in Deutschland, welches Lösungen für einen eFA-Client und einen eFA-Server anbietet. Darüber hinaus können wir auch eine Zertifizierung vom Connectathon und damit die entsprechenden IHE-Profile vorweisen.

6. Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Was glauben Sie, wie wird der deutsche Gesundheitsmarkt in 10 Jahren aussehen? Und wo sehen Sie Marabu in diesem Szenario?

Wir befinden uns in einem Wandel, der das Verständnis im Umgang mit Gesundheitsdaten ändern wird. Immer mehr Menschen erfassen Gesundheitsinformationen und werden präventiv für ihre Gesundheit aktiv. Das wird ja auch inzwischen von den Krankenkassen gefördert.

Auch in der Forschung können wir diese Daten sinnvoll nutzen. Wir sprechen heute immer über Patientenakten, aber es sind letztlich auch Forschungsakten. Denn hier werden Daten gespeichert, die möglicherweise dazu führen können, dass man einen anderen Patienten besser behandeln kann. Es gilt, diesen Schatz zu heben.

7. Haben Sie einen persönlichen Wunsch für die Zukunft von Marabu?

Ich wünsche mir, dass wir sowohl technologisch als auch inhaltlich vorne mitspielen. Dass wir, so wie in der Vergangenheit auch, die Zeichen der Zeit erkennen und entsprechend für die Zukunft planen. Wir haben technologische Umbrüche gewagt, die erforderlich waren, um weiterhin führend am Markt zu bleiben. Wir haben unseren Kunden immer gut zugehört und konnten so erfahren, was der Markt braucht, welche Zukunftsideen es gibt und wie er sich künftig entwickeln wird.

Außerdem wünsche ich mir, dass das Unternehmen Marabu so kunden- und mitarbeiterorientiert bleibt, wie es ist. Es gibt bestimmt immer etwas, das man verbessern kann, aber ich glaube, wenn man firmenintern gut arbeitet, wirkt sich das auch positiv nach außen aus.

In der Vergangenheit gab es auch mal das ein oder andere Projekt, dass an einen Mitbewerber ging, aber uns wurde immer gesagt: „Wartet nur ab, die kommen schon wieder!“ und das war tatsächlich auch so. Wir haben Kunden, die uns seit 25 Jahren treu sind und das spricht doch für unsere Arbeit.

Über den Autor

Miriam Mirza

Die Journalistin Miriam Mirza hat Germanistik und Anglistik studiert und arbeitet als Fachredakteurin für das Magazin E-HEALTH-COM.

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